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Verweise

Hilferuf aus Sri Lanka

Fahrt nach Sri Lanka vom 29. Januar - 10. Februar 2010

Autor: Dagmar Kugler

Udi und Nitty holen mich in Colombo ab. Gespräch mit Udi im Zug:

Nitty und Udi sind sich einig, dass etwas Neues , eine Ausweitung der Arbeit geschehen muss, es ist ihnen aber noch nicht klar, ob in Deutschland oder hier. Auch ich habe den Eindruck, dass etwas Neues anbricht.

Udi ist sehr zufrieden mit den Mitarbeitern, besonders mit seinen beiden Schwiegereltern, er ist sich sicher, dass er den beiden die Kinder anvertrauen kann,wenn er nach Deutschland fährt.

Udi möchte für Spenderwerbung nach Deutschland, damit die finanzielle Situation besser wird. Das ließe sich meiner Meinung mit 2-3 Monaten Besuch hier erledigen.
Er meint, ein Visum zu bekommen für die ganze Familie ist nicht leicht, bei einer Einladung, als Pastor zu arbeiten, geht das leichter..Auch deswegen reizt ihn das Angebot, eine tamilische Gemeinde in Deutschland 2 Jahre lang aufzubauen und dann abzugeben.
Udi fühlt sich wie gelähmt durch den ständigen Geldmangel, auch in die Zukunft zu denken fällt ihm deshalb schwer, weil ihn ständig die Sorge drückt.
Er möchte dringend ein Transportmittel(Auto) haben, weil er es praktisch braucht, vor allem wenn er nach Jaffna fährt, und weil er nur so auf eine gleiche Ebene mit den anderen NO Organisationen in Vavuniya kommt: wenn er mit dem Dreirad kommt, schätzen sie ihn als arm und bedürftig ein und argwöhnen, dass er sie ausnehmen will; kommt er mit dem Auto, schätzen sie ihn ein als
Partner, mit dem man Dinge besprechen und Hilfe austauschen kann.

Ich fragte Udi was er täte, wenn er keine Geldsorgen hätte, um zu klären, welche Vision er hat:

Udis Vision ist gleich geblieben wie am Anfang! Er würde ein Zentrum aufbauen, wo in Freizeiten Kinder und Jugendliche auftanken und von Jesus hören könnten. Auch gerne mit Seelsorgezeiten dabei. Seelsorge sei jetzt ganz wichtig in Sri Lanka..Kinder und Jugendfreizeiten würden aber auf dem Gelände des Waisenhauses nicht erlaubt.

Wohl können sie für Freizeiten andere Kinderheime einladen, das wäre erlaubt und auch jetzt schon möglich,wenn Sport-und Spielplatz besser wären.

Ich spreche mit Udi über meine Vision einer integrativen Behindertenwerkstatt zur handwerklichen Ausbildung von Körperbehinderten. Er ist sofort dafür, ebenso bei der Besprechung am nächsten Tag das gesamte Team. Alle können ausnahmslos beide Visionen hier auf dem Gelände sich gut vorstellen und sind begeistert darüber. Es herrscht völlige Einigkeit darüber.

Der Reis ist bestellt und sieht sehr gut aus. Die Ernte wird in ca. 3 Wochen sein.

Udi erhält keine finanzielle Unterstützung mehr vom Südstern, auch keine aus Kanada oder Australien. Bei beiden waren gute Absichten da, aber weil es sich mit den neuen Kindern verzögert hat, haben sie zur Zeit aufgegeben. Wir sind also viel verantwortlicher als wir dachten!

Sowohl die Kinder wie auch die Mitarbeiter machen einen ruhigen, gelassenen Eindruck, ganz anders als im letzten Jahr. Hier ist ein Team ins Gleichgewicht gekommen, jeder weiß, was er gut kann, und man ergänzt sich. Levi und Juda,Udi und Nittys Kinder, sind auch viel ruhiger als vor einem Jahr, das Grundstück sah sauber und bepflanzt aus, als ich rein kam.

Eine große Umfriedung ist in der Nähe des kleinen Hauses abgesteckt für Truthähne und Hennen zusammen, dort in der Mitte befindet sich eine Hütte. Aber es war noch kein Maschendraht um die Hütte. Diesen habe ich dann gekauft und jetzt befinden sich die Tiere dort. Für die äußere Umzäunung fehlte aber das Geld, Udi hofft dafür von Fischern Netze zu bekommen für 0-30 Euro,
ein Maschendraht würde 500 Euro kosten.

Udi hat seine Karte und seine jährliche Salbung bekommen als Voluntär der Four Squares Gospel Church in Sri Lanka. Durch die Karte vom Südstern als Missionar darf Udi aber jetzt schon alle Amtshandlungen als Pastor ausführen.

Die Gemeinde in Vavuniya hat jetzt ein neues Gebäude, das ist auch nötig, die Zahl der Gemeindeglieder hat sehr zugenommen. Bei einem Krankenbesuch mit Udi und Nitty zusammen konnte ich beobachten, dass beide sehr intensiv und herzlich mit den Menschen sprachen und auch gut zusammenarbeiteten, sie hatten auch den Transport des Kranken nach Colombo zur weiteren Behandlung organisiert.

Spontan findet am Sonntag Nachmittag auf dem Gelände des Waisenhauses eine Taufe statt, in dem viereckigen Wasserbecken wird ein junges Ehepaar getauft,recht wackelige Gartenstühle dienen zur ein- und Ausstiegshilfe. Danach findet ein kleines Gemeindefest statt, alle plauschen in Gruppen, die Jugend spielt hinten auf dem Gelände Kricket,das Nationalspiel, zusammen mit den
größeren Waisen.Eine fröhliche Atmosphäre,ich bekam vorgeführt, wie es hier bei Freizeiten aussehen könnte.

Im großen Waisenhaus schlafen die Jungen alle zusammen in einem Raum mit Doppelstockbetten. Das ist eine Notlösung, weil der andere Schlafraum, der durch den Brand beschädigt wurde, noch nicht fertig renoviert ist. Ein Balken, der angesengt ist, muss erneuert werden, ebenso versengte Elektroleitungen. Für beides fehlte das Geld. Außerdem muss das Zimmer noch ein zweites Mal
gestrichen werden.-- Zur zeit könnten also gar keine 10 neuen Waisen aufgenommen werden, die Voraussetzungen fehlen sowohl finanziell wie raummäßig.

Ebenso sind die Bäder des Hauses sehr renovierungs - bedürftig, die Elektroleitungen müssten überall erneuert (eine Erweiterung von einphasig auf dreiphasig) und das gesamte Haus innen und
außen neu angestrichen werden.

Es ist also Arbeit genug da für einen ganzen Trupp Handwerker. Diesen gibt es sogar, Pastor Dennis aus den USA hat versprochen ,seine Leute runter zu schicken, sie würden umsonst, nur fürs Essen, arbeiten. Aber die Kosten müssten von anderen getragen werden.

Finanziell fehlt es an allen Ecken: Es ist eine Lücke da in der Versorgung im Letzten Jahr von 1-2 Monaten.(ca 1500 Euro) Udi nahm Geld persönlich als Schulden auf, um die Mitarbeiter bezahlen zu können, und die Lebensmittel wurden beim Discounter angeschrieben, so dass mit dem Geld von Januar
noch die Lebensmittel vom Dezember bezahlt werden. Die Kids brauchen jeden Monat 750 Euro und die Mitarbeiter(bei starker Unterbezahlung) 350 Euro, zusammen also 1.040 Euro im Monat. Die einfachen Mitarbeiter bekommen zur Zeit 75 Euro, während der normale Verdienst bei anderen Organisationen in Vavuniya bei 250 Euro im Monat liegt. Kindermädchen, Köchin und Wächter sind einfache Mitarbeiter. Die Schwiegermutter arbeitet bisher umsonst.

Udi verbraucht 250 Euro im Monat für seine vierköpfige Familie. Von dem Geld,das sie bisher bekommen, können sie nichts anschaffen und nichts erneuern. Ein uralter, halb verrosteter Kleinkühlschrank tut seinen Dienst bei Udis Familie (ein neuer würde 180 Euro kosten), im Waisenhaus steht ein kaputter Kühlschrank, sie haben jetzt gar keine Kühlung (350 Euro für einen
großen Kühlschrank)

Eine gute Nachricht: Es gibt ...

1. ein neues Wasserbecken neben dem Brunnen

2. Ein kleines Becken zum Plantschen für die Enten, aber vor allem

3. eine Pumpe, die Trinkwasser fördert!

Udi erzählte, dass bei der ersten Bohrung gleich so viel Wasser kam, dass das Grundstück fast zum See wurde.Sie sind auf Stein gest0ßen, das ergibt sauberes Mineralwasser! Und es senkt auch nicht das Grundwasser der anderen, weil es eine eigene Quelle ist. -- Ich denke, Gott hat da Gebet erhört.

Auch freue ich mich über das freundliche Zusammensein der Gemeinde, auch dass die Kinder alle wohlauf und ausgeglichen aussehen.

Udi erklärt, dass das Projekt gefährdet ist, weil 2 behördliche Bedingungen zur Zeit nicht erfüllt werden:

Der Bedarf des Heimes für 2 Monate muss ständig vorlaufend auf dem Konto sein. Alle Schulsachen, 3 Schuluniformen für jedes Kind, Schuhe und sonstiges Schulzeug muss vorlaufend da sein.

Auch bestimmte Räume fehlen noch zur Erfüllung der behördlichen Bedingungen (s.o.)

Beides wurde nicht erfüllt, ist aber den Behörden nicht aufgefallen. Kleidung konnte von der Zahlung Anfang Januar gekauft werden, hätte aber eigentlich schon zu Weihnachten da sein müssen, und Schuhe für die Kleineren fehlen noch.

Ich spreche mit den Mitarbeitern einzeln, um festzustellen, ob sie die Situation bei Abwesenheit von Udi auch so einschätzen wie er.

Das Ergebnis: Alle aus dem Team können gut sehen, dass Kumar die Außenleitung und Schwiegermutter die Hausleitung für die Waisen übernimmt. Beide trauen es sich selbst auch zu. Alle finden es auch notwendig, dass Udi nach Deutschland geht, um Geld zu sammeln.
Kumar wirkte positiv herausgefordert durch diese neue Aufgabenstellung für ihn, er sieht sich auch imstande, Zivis anzuleiten.

Die Tätigkeiten der Mitarbeiter:

Nitty ist mit Freunden,Haushalt, Kids, Seelsorge sehr gut integriert und hat einen ausgefüllten Alltag, Schwiegervater kümmert sich um das Getreide, die Tiere, beides gedeiht, nur der Zaun fehlt, Schwiegermutter leitet die Waisen an und versorgt sie, Kumar kauft alle Sachen für die Waisen ein und erledigt Behördengänge, er verhält sich sehr freundlich und kooperativ. Dacia kümmert sich um die kleineren Waisen und die Buchhaltung zusammen mit Kumar und führt außerdem Shanti in ihren neuen Job ein. Kumar ist von 10-5 Uhr da, er wohnt mit seiner Familie in Vavuniya bei den Schwiegereltern, macht außerdem Geschäfte, um finanziell über die Runden zu kommen.Wenn er Udi vollständig vertreten würde bei längerer Abwesenheit und deshalb seine Geschäfte aufgeben würde, bräuchte er 400-500 Euro im Monat für seine Familie. Udi kümmert sich intensiv um Nitty und die Kinder, spricht dauernd mit allen ,telefoniert dauernd, geht mit Nitty einkaufen und macht Seelsorge und Beratungen unter Pastoren, kümmert sich um alle Besucher und übersetzt,
zwischendurch repariert er ein Rohr und den Motor. Er ist derjenige,der allen den Rücken stärkt und alle verbindet.

Nittys Arbeit mit den Witwen scheint mir nicht so intensiv, wie anfangs angenommen. Sie sagt, dass die Frauen alle arbeiten müssen, nach der Arbeit und samstags mit dem Haushalt zu tun haben und selbst sonntags nur 10 Minuten nach dem Gottesdienst Zeit haben.

Wenn Nitty die Möglichkeit bekäme, durch Nähmaschinen,Stoffe und Farbe die Frauen anzuleiten mit Nähen und Malen auf Kleidung und das auch verkauft würde, könnte sie sofort Witwen für diese Arbeit gewinnen.

Um als Demonstrationsobjekt 5 Blusen zu kaufen und zu bemalen, würde sie 50 Euro benötigen

Die Puter, von denen sich Udi Verdienst erhofft hatte,hatten Masern und haben deshalb nicht zugenommen und konnten nicht verkauft werden. Außerdem haben sich einige als weiblich herausgestellt und angefangen, Eier zu legen. Während meines Aufenthalts sind 12 kleine Putenjunge ausgeschlüpft!

Alle im Team bestätigten, dass sie schon ganz viel mit verschiedenen Anpflanzungen versucht haben, aber nichts gediehen ist, der allergrößte Teil des Bodens sei einfach unfruchtbar.

Eine Lieferung von bald ablaufenden Lebensmitteln vom Roten Kreuz trifft ein, 3 Laster voll, wir haben mit dem ganzen Team den ganzen Tag zu tun, um die Dosen und Packungen nach Datum des Ablaufens zu sortieren und weg zu räumen. Es ist ein großer Segen.Reis, Nudeln, Cornflakes, Öl, Gemüse etc. in Dosen, Grundnahrungsmittel sind fürs erste gesichert,sie werden noch an arme
Nachbarn abgeben können und haben das auch vor. Eine Super Zusammenarbeit im Team und mit den Kindern, jeder macht bereitwillig mit.

Es kommt Besuch von einer Netzwerk-Initiative, eine weiße Frau,seit 30 Jahren in Sri Lanka mit einem einheimischen Pastor verheiratet, hat sie initiiert und leitet sie. Sie will christliche Kinderheime in Sri Lanka untereinander vernetzen mit dem Ziel gegenseitiger Ergänzung und Hilfestellung.Sie wollen auch Schulungen und Seminare für Mitarbeiter der Heime abhalten und die
Qualität der christlichen Heime so fördern, dass sie die besten in Sri Lanka werden.

Sie ist beeindruckt von der Reisanpflanzung,meint, das ist das erste Kinderheim,das versucht, selbst etwas für seine Ernährung zu tun. Außerdem ist es das einzige Kinderheim hier, das nicht von einer großen Organisation gegründet wurde.

Ich mache insgesamt 6 Bibelstunden mit den Kindern nach ihrer abendlichen Gebetszeit. Ich lehre mit Hilfe von großen Bildern, die Kinder sind sehr aufmerksam. Auch beim Beten -die Andachten werden abwechselnd von verschiedenen Kindern geleitet- zeigen sie ein erstaunliches
Engagement und Durchhaltevermögen.

Arul überrascht mich mit seiner Anleitung zu Beten für verschiedene Gruppen von Menschen.

Man meint beim Beten, einen Erwachsenen vor sich zu haben. Er ist aber erst 7 Jahre alt!

Begabungen der Kinder(die Familiengeschichte steht im Bericht des letzten Jahres):

1. Kandruban, 17 Jahre alt: Er lernt gut, wird erst in 4 Jahren wegen der großen Lücken von früher mit der erweiterten Schule fertig (bei einfacher Schule:in 2 Jahren).

Er will eine Bibelschule besuchen. Und eine Kombination von Pastor/ Heimleiter wie Udi werden. Udi möchte, dass er vor der Bibelschule eine pädagogische Ausbildung absolviert, die in Sri Lanka nur etwa ½ Jahr dauert.

Kandruban verhält sich ruhig,freundlich und sehr kooperativ, hilft auch bei den kleineren Waisen.

Seine Mutter war jahrelang verschollen und ist gerade erst in einem Flüchtlingslager wiedergefunden worden. Als ich kam, war sie gerade zu Besuch bei den Brüdern.

Ramana, 14 Jahre,er geht in die gleiche Klasse wie Kandruban,er ist ein guter Schüler und hat auch noch 4 Jahre Schule vor sich. Ramana ist sehr kreativ und zeichnerisch begabt. Er geht offen und freundlich auf Menschen zu.

Vijyakandan, 15 Jahre, er ist der Bruder von Kandruban. Er hat Interesse an mechanischen Sachen und noch 6 Jahre Schule vor sich.

Sanjeevan,15 Jahre: Er hat Interesse an elektronischen Dingen und muss noch 6 Jahre (bzw. 4 bei der einfachen Schule) in der Schule gehen.Sanjeevan hilft viel bei Udis Kindern und geht gerne mit kleinen Kindern um.

Niroajan, 14 Jahre: Er wirkt jünger,als er ist,hat aufgrund früherer Ablehnung kein gutes Selbstwertgefühl, er sucht nach Kontakt,ist aber nicht sehr gut integriert in die Gruppe der Kinder,er ist nicht gut in der Schule und wird voraussichtlich den einfachen Abschluss machen,dann wäre er in 3 Jahren mit der Schule fertig. Niroajan hat eine gute praktische Begabung,er ist eifrig und kräftig, hat Interesse Richtung Maurer/Zimmermann.

Rajeeban,15 Jahre: Er ist nicht gut in der Schule und wird voraussichtlich nach3 Jahren die Normalschule abschliessen. Er wirkte verschlossen auf mich. Interesse hat er an landwirtschaftlichen Dingen, er könnte Bauer oder Tierzüchter werden.

Jenistan, 10 Jahre: Jenistan ist etwas tollpatschig und unsicher in sich, er ist stark in der Anbetung

Arulraj, Arul gerufen,7 Jahre alt,er ist fröhlich,offen und lebhaft,er kann gut lernen, er ist sehr gut in der Anleitung von Gebet.Arul ist der große Bruder von Raju.

Steeban Raj,Raju gerufen,3 Jahre alt: Er ist ebenso offen und freundlich wie sein Bruder Arul, er ist der Jüngste der Waisen und spielt ständig mit Vasee.

Vasigaran, Vasee gerufen, 4 Jahre alt: Ein Kind,das ebenso klug wie nachdenklich wirkt und fast ständig sehr traurig schaut,obwohl er auch fröhlich lächeln kann. Sein Vater ist gestorben, seine Mutter ist extrem arm, wohnt in der Nähe, geht arbeiten und besucht ihn.

Was Udi braucht

Kurz,eine vernünftige Hausapotheke

Werkzeug

Transportmittel (Auto)

Dauerspender, die Patenschaften für ein Kind oder einen Mitarbeiter übernehmen oder einfach regelmäßig einen Beitrag spenden,so wie sie es schaffen können.

Geld für die Renovierung des Waisenhauses und des kleinen Häuschens, ebenso für den Aufbau der Spielgeräte.